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"Reifegradmodelle"

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Anhand von "Reifegradmodellen" wird der Grad der "Reife" von

- Produkten

- Prozessen

- Organisationen

- Personen

ermittelt.

Je stärker sich ein Reifegradmodell auf einen der genannten Bereiche konzentriert, desto trennschärfer und somit aussagekräftiger ist es. Idealerweise adressiert also ein Reifegradmodell jeweils nur einen der oben genannten Bereiche.

Darüber hinaus gibt es Wechselwirkungen zwischen den Reifegraden der Bereiche. Die Einstellung von Personen zum Einsatz des HCD-Ansatzes basiert u.a. z.B. auf der Ausprägung etablierter HCD-Prozesse in Organisationen.

Prozessreifegradmodelle definieren in einem Referenzschema (Prozessreferenzmodell) die Prozesse, die Vor- und Nachbedingungen der Anwendung sowie die resultierenden Arbeitsprodukte.

Ein zugehöriges Prozessbewertungsmodell definiert ein hierarchisches Bewertungsschema, um die Reife und Fähigkeit eines Prozesses auf bestimmten Ebenen zu bewerten.

Verschiedene Prozessreifegradmodelle definieren unterschiedliche Reife- bzw. Fähigkeitsstufen:

In CMMI gibt es fünf Reifegrade mit den Nummern 1 bis 5. In ISO/IEC 15504 bzw. ISO 33020 gibt es sechs Fähigkeitsstufen mit den Nummern 0 bis 5.

Reifegrad- und Fähigkeitsniveaus

Diese Reifegrade beziehen sich auf den Reifegrad eines Unternehmens, d.h. wie gut es alle Prozesse eines bestimmten oder aller Prozessbereiche seines Prozessmodells durchführt.

Sie klassifizieren Organisationen nach ihrer Fähigkeit, ihre verschiedenen Prozesse zu beherrschen.

Außerdem beschreiben sie eine evolutionäre Methode zur Verbesserung einer Organisation von einer ad hoc und unausgereiften Organisation zu einer disziplinierten und ausgereiften oder optimierten Organisation.

Prozessfähigkeitsstufen beziehen sich auf die Prozessverbesserungsleistung einer Organisation in einzelnen Prozessbereichen.

Diese Stufen sind ein Mittel zur schrittweisen Verbesserung der Prozesse in einem bestimmten Prozessbereich.

Sie klassifizieren die Leistungen von (einigen) Prozessen eines bestimmten Prozessbereichs, die von einer Organisation, einer Organisationsabteilung oder einem Projekt durchgeführt werden.

Für die Prozessreife gibt es zwei verschiedene Darstellungen: das Stufenmodell und die kontinuierliche Darstellung.

Bei der abgestuften Darstellung werden die Reifegrade verwendet, um den Gesamtzustand der Prozesse der Organisation im Vergleich zum Gesamtmodell zu charakterisieren.

Bei der kontinuierlichen Darstellung liegt der Schwerpunkt auf der Fähigkeit der Prozessbereiche, die anhand der Fähigkeitsstufen gemessen wird, während bei der abgestuften Darstellung der Schwerpunkt auf der Gesamtreife liegt, die anhand der Reifegrade gemessen wird.

Begriffsexemplifikation (in work):

Usability = Gebrauchstauglichkeit

User Experience = Benutzererlebnis (hinsichtlich eines interaktiven Systems)

Qualität = Grad der Erfüllung von Anforderungen

Anforderungen = Leistungen, die ein Systems erbringen können muss

HCD-Prozessfähigkeit, d.h. Fähigkeit (Capability) der HCD-Prozesse einer Organisation = Grad der Umsetzung von HCD-Prozessen, den HCD-Ansatz im Unternehmen zu leben

HCD-"Reife" einer Organisation = Grad der Einstellung der Verwendung der menschzentrierten Gestaltung in einer Organisation

HCD-"Gesinnung" = Einstellung einer Person gegenüber dem HCD-Ansatz

HCD-"Awareness" (aller Mitglieder einer Organisation) = Gesamtheit der HCD-"Gesinnungen" (aller Mitglieder einer Organisation)

Prozessgüte = Grad der Qualität eines Prozesses

Prozessqualität = Fähigkeit eines Prozesses, die erklärten und impliziten Anforderungen der Interessengruppen zu erfüllen, wenn er in einem bestimmten Kontext eingesetzt wird

User Experience Güte = Grad der Qualität des Benutzererlebnisses

Güte bezieht sich auf Qualität zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Reife nimmt mit der Zeit zu und bezieht so Zeiträume mit ein, den Trend der Güte.

Reife kann gestuft (staged maturity model) oder kontinuierlich zum Ausdruck gebracht werden (continuous maturity model).

Prozessfähigkeit = Charakterisierung des Vermögens eines Prozesses, aktuelle oder geplante Geschäftsziele zu erreichen

Organisatorische Prozessreife = das Ausmaß, in dem eine Organisationseinheit Prozesse innerhalb eines definierten Umfangs konsistent implementiert die zur Erreichung ihrer (aktuellen oder geplanten) Geschäftsanforderungen beitragen

Reifegrad = Punkt auf einer ordinalen Skala der organisatorischen Prozessreife, der den Reifegrad der Organisationseinheit charakterisiert, die im Rahmen des verwendeten Reifegradmodells bewertet wird

Fähigkeit = angeborenes und/oder erlerntes Vermögen

Fertigkeit = Realisierung einer Fähigkeit

Dabei bezeichnet Fähigkeit die Voraussetzung zum Erwerben einer Fertigkeit. Fähigkeit meint Talent, Begabung oder das Vermögen zu etwas. Die Fertigkeit hingegen bezeichnet die z. B. durch Übung vollbrachte Realisierung einer Fähigkeit.

PS:

Ein Wort zu "UX-Reife" (UX maturity) bzw. "Usability-Reife" (usability maturity) und "UX Design".

Usability (Gebrauchstauglichkeit) ist das Ausmaß, indem eine Benutzungsschnittstelle effektiv, effizient und zufriedenstellend verwendet werden kann. Usability bezieht sich also auf Produkte, Geräte und Dienstleistungen mit Benutzungsschnittstellen.

User Experience (Benutzererlebnis) ist die Summe der Wahrnehmungen und Reaktionen vor, während und nach der Verwendung von interaktiven Systemen.

Man kann daher nicht davon sprechen, dass eine Organisation über eine bestimmte "Usability-Reife" (Gebrauchstauglichkeit) oder gar eine bestimmte "UX-Maturity" (Benutzererlebnisreife) verfügt.

Man kann aber davon sprechen, dass die Usability (Gebrauchstauglichkeit) einer Benutzungsschnittstelle gut oder schlecht oder etwas dazwischen ist (good or bad usability).

Man kann davon sprechen, dass Prozesse einer Organisation fähig sind, menschzentrierte Gestaltung durchzuführen (HCD process capability). Aber nicht davon, dass die Organisation dann über eine hohe "UX Maturity" (Benutzererlebnisreife) verfügt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff "UX Design". Nicht das Benutzererlebnis (UX) an sich lässt sich gestalten, sondern alle Mittel, die dazu führen. Das Benutzererlebnis (UX) kann positiv oder negativ oder etwas dazwischen sein.

Im Zusammenhang mit dem Messen des Benutzererlebnisses kann man eher von der Qualität des Benutzererlebnisses als von Benutzererlebnis-"Reife" sprechen.

 

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